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Welches Verb passt zur Depression?

Über das Schreiben von einem Leben mit Depressionen, das Schreiben selbst und die Definition des Autorseins als besondere Art, die Welt wahrzunehmen



31.05.26 An diesem heiß-schwülen Nachmittag im Marburger Rathaussaal klingt durch die geöffneten Fenster eine leise Ahnung des Getümmels vom Vorplatz an. Obwohl Benjamin Maack heute ein »Depressionstagebuch« vorstellt, hängt keine anhaltende und betäubende Schwere im Raum. Gleich zu Beginn schafft es der Autor mit Witz und einer Menge Ehrlichkeit, das Publikum mitzureißen. Sein im April im Suhrkamp Verlag erschienenes autobiographisches Buch »Bewerbungen um einen Job als Mensch« sei eine verletzliche Nachricht in die Welt, die sich heute zunehmend nach maximaler Absicherung sehne und verhärte, so Maack.

Durch die gelesenen Einblicke in eine Liebesgeschichte mit einem Mädchen in jungen Jahren, dem Nachdenken über die Schattenseiten im Erleben von Kunst und einem verlorenen Fäustling zieht sich ein Gefühl auf besondere Weise. Es ist die abgrundtiefe Divergenz zwischen dem, wie etwas realiter ist und dem, wie es, gleich ob im Moment selbst oder später in der Erinnerung, erscheint – im Falle des Erzählers stets getränkt von gravierenden Selbstzweifeln.

Während der Lesung und im Gespräch mit der Moderatorin erscheint alles Gesagte wie ein spontaner, lockerer Einfall und folgt weniger einer streng vorgezeichneten Linie. Für Maack selbst ist das Buch nicht nur in innerlich-emotionaler Hinsicht ein Befreiungsschlag, sondern auch hinsichtlich der Form, weshalb er bei seinem Lektor um die Beibehaltung von Rechtschreibfehlern in seinem Text gekämpft habe. Genau diese freiere Handhabung von Regeln beim Schreiben mündet in einer höchst poetischen und beim Zuhören mitreißend-tiefberührenden Sprache. Am Ende der Lesung bleibt die Frage, wie es dieses Loch, das die Depression in einem Menschen gräbt und das sich auch auf dem Cover des Buches findet, auszuhalten und hoffentlich immer wieder zu füllen gilt. Maack jedenfalls hat das tägliche Schreiben dieses Buches auf dem Handy wie einen Rettungsring auf weiter See erfahren.


 
 
 

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